ich bin halt so

„ich bin halt so“

Kennst Du das von Dir selbst, oder hörst Du das jemanden sagen? Begleitet mit einem Augenaufschlag oder Achselzucken, ist es nichts anderes als eine faule Ausrede.

Bequemlichkeit ist eine der größten Hürden, wenn es darum geht sich weiter zu entwickelnDenn Veränderung ist meist erstmal unbequem.

Eine Errungenschaft unserer Zeit und dem sogenannten Westen ist es, dass wir es leichter haben als die Generationen vor uns.  Zumindest was die Existenz und die Lebensumstände betrifft.
Ist es nicht interessant, dass trotzdem soviel Angst um Existenz und Sicherheit herrscht, obwohl es keinen Krieg gibt und ein Sozialsystem wie nie zuvor weitgehend allen Menschen ein Auskommen ermöglicht?

Diese Ängste sind in uns, wir sind geprägt von unseren Eltern und dem was sie von ihren Eltern usw mitgenommen haben. Die Sicherheit und Bequemlichkeit, in der wir heute leben gaukelt uns vor, dass wir mit dem nichts mehr zu tun haben, dass wir uns darum nicht mehr kümmern müßten. Wir verachten – je nachdem aus was für einer Familienkultur wir kommen  – bestimmte Werte und sehen sie nur als Zwänge oder Last. Der springende Punkt dabei ist jedoch: Diese sind in unserem Denken, Handeln, in unseren Verhaltensweisen und Mustern  auf unbewusster Ebene wirksam. Deshalb ist vieles wogegen wir sind anstrengend und mühevoll, weil wir uns gegen etwas wehren was in uns selbst noch nicht gewandelt/erlöst/geheilt ist.

Ein Beispiel dazu: Ich bin mit dem aufgewachsen, dass harte Arbeit, Schweiß und Anstrengung gut ist, und alles was leicht geht nicht so viel wert ist. Kommt vielen von  Euch vermutlich bekannt vor, oder? Gleichzeitig gab es etwas in mir, dass sich dem entgegen gestellt hat. Trotzdem war es für mich keineswegs einfach wirklich Leichtigkeit zu leben. Denn Leichtigkeit ist nicht das Trotzige „mir doch egal, ich mache was ich will und liege faul in der Sonne wann ich will“.

Irgendwann war für mich die Lust an Anstrengung verdorben. Bei der körperlichen, weil es eben oft auch mit Konkurrenz und lächerlich machen von körperlichen Schwächen einhergegangen ist. Das war in meiner Familie wie im Sport so, oft subtil aber immer ist es irgendwo mit geschwungen. Da wollte ich irgendwann nicht mehr mitmachen, Das war mir zuwider. Dagegen habe ich rebelliert, mich verweigert.

Die Fähigkeit durchhalten zu können habe ich in den schlaflosen Nächten – und den Tagen danach – mit meinen Kindern schätzen gelernt. Meine Lust und Freude an Bewegung und körperlicher Anstrengung habe ich erst Jahre später im Tanz wiedergefunden. Das sind zwei Beispiele und Formen, die deutlich machen, welche positive LebensKraft durch diese Haltung angesprochen wird. Der zweite Teil, nämlich die Interpretation, dass dadurch alles was leicht ist weniger wert , nicht so erstrebenswert ist entspringt dem polaren Denken, dem unsere Kultur zugrunde liegt.

Aus ihr resultiert das Prinzip von belohnen und bestrafen.
Von entweder –  oder. Von richtig und falsch.

Das Thema finde ich in allen Lebensbereichen wieder. „Nur was weh tut, bringt mich weiter“, „Was nicht tötet härtet ab“, „Zuckerbrot und Peitsche“, „Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen“ etc., etc.  All  diese Sprüche sind Ausdruck dieser Haltung. Selbst wenn unsere Eltern oder Lehrer damit etwas Positives bewirken woll(t)en: das Gegenteil ist „schlecht“ ,  oder inkludiert gar ein bestrafendes Element. Das haben wir mit „geschluckt“, und je mehr eine Haltung allgemeiner Wertestandard einer Gesellschaft ist, desto schwieriger ist es sich davon zu befreien. Wobei Befreiung nicht bedeutet: das Gegenteil leben.

Bleibe ich bei dem Beispiel, dann ist es ein großer Unterschied für mich, wenn ich „bewusst und genussvoll faul bin“ – oder einfach meinen Hintern nicht hoch bekomme. Wenn ich mich zwinge mich zu bewegen, in dem Wissen es fühlt sich nachher gut an (Belohnung) oder mich bewege aus Freude an der Bewegung. Wenn ich sage: ich bin halt geschädigt von xyz, deshalb gehe ich nicht gerne spazieren, ist das genauso  eine Form von „ich bin halt so“. Erst wenn ich das was in mir „geschädigt“ ist verarbeite, es wandle, kann es sein, dass ich es liebe spazieren zu gehen – oder auch nicht.  Jedenfalls kann ich mich dann bewusst entscheiden. Genauso kann ich mich bewusst dafür entscheiden mich zu belohnen, oder mich zu überwinden. Der Unterschied mag sich im Moment gering anfühlen. In der Summe der Entscheidungen die wir täglich treffen werden die bewusst getroffenen deutlich spürbar-er.

Das ist Befreiung. Nebenwirkung: es steigert die Lebensfreude,
die innere Zufriedenheit.

Bewegung  ist das relativ harmlose Beispiel des Themas „Anstrengung“ das auf anderen Ebenen meines Lebens versteckter und schmerzhafter hervor getreten ist. Gerne verknüpft/vebündet sich so ein Thema mit anderen, verwandten und verschleiert sich. Die „Erscheinungsform“ mag bei jedem von uns verschieden sein, so wie wir einzigartig sind. Gleichzeitig läßt sich sowohl ein Grundmuster erkennen, als auch wie dieses gewandelt werden kann. Indem ich meine Muster und Bequemlichkeiten wandle, erkenne ich ganz nebenbei – wie ich dadurch anderen Menschen helfen kann.

Ich bin halt so.


Nachwort:
Niemals zuvor gab es so viele Möglichkeiten wie heute. Das bezieht sich auch auf alles was  therapeutisch-heilerisch-spirituell quasi für jedermann/frau zugänglich ist. Hoch lebe das Internet.

Die Qual der Wahl ist eine der Schwierigkeiten dabei, am besten lässt Du Dich dabei von Deinem Gespür führen, weniger von dem was andere sagen, oder wie „beliebt“ eine Methode oder ein „Guru“ ist. Meiner Erfahrung nach ist sowieso immer „alles richtig“, sprich dient es unserem Weg = Weiterentwicklung. Seien es „Lehren“ genauso wie „Lehrer“ – und alle Menschen und Begegnungen sind so wie alle Schwierigkeiten dazu da um uns Möglichkeit aufzuzeigen: für mehr Mitgefühl und Liebe mit uns selbst.

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