Wen oder was glaubst du zurück zu lassen, wenn du dich veränderst?

Eine der großen Ängste, mit denen jede/r konfrontiert wird wenn es darum geht gewohnte Bahnen zu verlassen ist es geliebte Menschen, Gewohnheiten, hinter sich zu lassen. Diese Angst will verhindern den nächsten Schritt zu gehen. Selbst wenn sich das Vertraute, Gewohnte schon langweilig, schmerzhaft oder eng anfühlt sind, wird das bereitwillig in Kauf genommen.

Ob mein Partner/meine Freundin es wohl aushält, wenn ich leuchte?
Andersherum: freue ich mich von Herzen, wenn andere etwas tun, was ich will und mich nicht traue, oder nicht verstehe? Schreckt es oder inspiriert es mich?

Mein eigenes Leben ist geprägt von Veränderungen: ich habe in drei verschiedenen Ländern gelebt bis ich 19 war, zweimal war ich alt genug um den Umzug in eine andere Kultur, mit neuer Schule, Menschen, Umgebung, neuer Sprache „bewusst“ mitzuerleben. In meinem Freundeskreis war ich eine der ersten, die Kinder bekommen hat. Und eine der ersten, die sich vom Vater der Kinder getrennt hat. Bin von einem relativ sicheren, interessanten Job in die Selbständigkeit gegangen – mit zwei kleinen Kindern und allein erziehende. Mir wieder ein neues Umfeld erschaffen und auch dieses Feld wieder so gut wie komplett verlassen. Bin in eine Gemeinschaft gezogen und nach fünf Jahren wieder aus. Jedesmal haben sich die Wege von mir und Menschen, mit denen ich nahe war – manchmal abrupt manchmal mit der Zeit –  getrennt.

Man könnte da natürlich alles mögliche hinein interpretieren. Eins ist sicher: selbst bei den Entscheidungen, die ich frohen Mutes getroffen habe, mich auf das Neue gefreut habe, war AUCH ein Verlust, manchmal ein tiefer Schmerz damit verbunden. Vielleicht hat mir die frühe Erfahrung, dass es immer weiter geht, ich immer wieder andere Menschen treffe, die mit mir ein Stück des Weges gehen, es leichter gemacht.

Gleichzeitig habe ich durch die Hinwendung zu mir selbst und dem stetig wachsenden Vertrauen wieder und wieder auf das zu hören was mir meine Seele, mein Innerstes zuflüstert, enorm geholfen Neues,  Veränderungen willkommen zu heißen.  Das heißt nicht , dass ich jedesmal HALLELUJAH gerufen habe! Natürlich hatte ich genauso Zweifel bis hin zum kompletten in Frage stellen meiner selbst. Ängste, Zweifel, Bedenken sind Teil des Ganzen. Sie haben ihre Funktion und Berechtigung. Sich bewusst zu sein was es ist wovor ich Angst habe, was ich fürchte zu verlieren, hilft die Schritte zu gehen, die gegangen werden wollen. Manchmal heißt es den Schritt trotzdem zu gehen, und die Angst mitzunehmen. Ja und manchmal bedeutet sich selbst treu zu sein bewusst zu riskieren jemanden zu verlieren.

Es ist eine ganz andere Perspektive aus der ich heute auf mein Leben und das was wir Entwicklung nennen schaue. Mittlerweile lasse ich meine eigenen Identitäten gehen. Einige sind schon gegangen. Manchmal frage ich mich, wie viele habe ich denn noch? Diese Loslösungsprozesse sind ähnlich: verstrickt und verwoben mit Gewohnheiten und Verhaltens- sowie Denkweisen, vieles ist davon unbewusst. Es scheint zu uns zu gehören, es sind die Geschichten, die wir von uns erzählen und wir glauben, dass wir das sind. Das macht es so schwierig Identitäten als solche zu erkennen, und  loszulassen: und es gibt die Angst: wer bin ich dann?

Wer bin ich ohne meine Rollen, meine Geschichten?

Die Reise ist spannend, aufregend, und so schwierig es manchmal noch ist, so sehr ist es mein Leben. Mir ist heute klar, dass ich es bin, die entscheidet und entschieden und dieses Leben gewählt hat.

So mag ich es.

 

 

 

 

 

 

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Liebe Katharina, da ich ja während mancher der Ereignisse, die du schilderst manchmal im näheren und manchmal ferneren Kontakt mit dir stand, berührt es mich so über deine Entwicklung zu lesen. Meine erste Reaktion ist „wow, was für eine starke Frau“ die andere ist „wow und wieviel Schmerz und Sehnsucht und auch Vertrauen und Liebe da auch Teil des Prozesses gewesen sein mögen.“ Manches sprichst du an, manches interpretiere ich einfühlsam hinein. Ich fühle mich so verbunden zu dir und bin dir sehr dankbar für die Inspiration, deinen Mut Neues zu wagen unabhängig davon ob es andere in deiner Umgebung es auch tun oder bereits getan haben. Ich fühle im Kontakt mit dir egal ob über deine geschriebenen Worte oder deine körperliche Präsenz eine Kraft wie ich sie Mitten aus der Natur kenne. So schön und beharrlich. Nun fange ich an die Sätze immer wieder und wieder zu lesen und auszubessern und merke, „Nein, so passt das jetzt“ ich möchte, dass es ein spontaner und eher weniger überdachter Ausdruck meiner Gefühle ist. Ich umarme dich, Joanna

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    1. LIebe Joanna, Danke für Deinen „spontanen Ausdruck“ es ist schön Resonanz zu spüren. Und ich freue mich einfach über den Kontakt mit Dir, auch wenn wir uns jetzt schon recht lange nicht gesehen haben und Du „weit weg“ bist (geografisch) Sei auch Du umarmt! Katharina

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