Eine bessere Version meiner Selbst

Ohne es mir je konkret vorgenommen zu haben, bin ich – in mir und in verschiedenen Kontexten auf eine Vorstellung oder Idee gestoßen:

„Ein besserer Mensch zu werden“ als eine zwar selten so direkt ausgesprochene aber Vielem zugrunde liegende Triebfeder.

Abgesehen davon schön, erfolgreich usw. zu sein natürlich…

Das Konzept des besseren Menschen ist selbst unabhängig von Religion, die diese Idee allerdings stark prägt, fest in unserem Gedanken- und Wertegut verankert. Je mehr ich allerdings ein besserer Mensch werden wollte, desto unerträglicher wurde das Unvermögen dadurch glücklicher, erfüllter, lebendiger zu leben. Je intensiver ich erforscht habe, was an mir nicht so ist, wie ich glaubte sein zu müssen, desto schmerzhafter wurde es. Woran sollte ich mich orientieren, was war es das ich selbst von mir erwartete, welchem Anspruch wollte ich eigentlich genügen?

„Ich bin nicht gut genug“

Wer kennt das nicht? Egal welches Wertesystem, welches Konzept, welche Religion oder Glauben einen einzelnen Menschen prägt: dieser Glaubenssatz ist wohl einer der am tiefsten verwurzelten und zugleich schmerzhaftesten, und ohne es wissenschaftlich beweisen zu wollen behaupte ich: er ist absichtlich in uns „gepflanzt“. Er soll uns antreiben „besser zu werden“, damit wir ja nicht erkennen, dass wir bereits vollkommen sind. OHA. Deshalb, weil wir dadurch lenkbar werden, manipulierbar, und zwar von den Kräften/Mächten, die regieren. Früher waren es zumindest im europäischen Raum eben auch die Kirchen. Heute machen sich das andere – nicht zuletzt die Werbung für die vielen Produkte, die wir alle kaufen sollen, durch die wir uns zumindest besser fühlen, wenn nicht werden! zunutze. Dabei spielen dann die sogenannten „höheren Werte“ einer Religion, einer Ideologie dann keine Rolle mehr: es reicht das Versprechen durch mehr Status/Schönheit/Reinheit einfach etwas „besser“ zu sein. Wozu ist zweitrangig bis egal.

Die Werbung zu durchschauen ist eins. Zu erkennen, dass damit auch in dem großen Feld der Persönlichkeitsentwicklung genauso wie im sogenannten „spirituellen Bereich“ gearbeitet wird, lag für mich erstmal nicht so auf der Hand.

„comfort zone“

Nur ein Beispiel aus diesem weiten Feld: Da gibt es den Begriff der „comfort zone“ in der man/frau „nicht wächst, sich nicht weiter entwickelt“ sondern quasi den Status quo beibehält, sich mit den eigenen Verhaltensweisen, Ängsten, etc. arrangiert – selbst wenn das nicht das Gelbe vom Ei ist. Es wird angeraten aus dieser hinaus zu steigen, um sein Potential zu erweitern, erfolgreicher zu sein, glücklichere Beziehungen zu führen usw. Nun an sich klingt das schlüssig. Gleichzeitig kann es fast unbarmherzig sein – denn was ist wenn es einem nicht gelingt? Noch ein Grund sich selbst zu geißeln, sich noch weiter weg von dem Erhofften zu sehen, letztlich verstärkt es das Gefühl „nicht gut genug zu sein“. Egal ob es gelingt oder nicht.

Heißt das ich soll einfach so weiter leben wie bisher, nicht an meinen „Problemzonen“ arbeiten? Wenn Du glücklich bist: Warum nicht? Wenn es etwas gibt das Dich noch glücklicher werden lässt: go for it!

Wobei mit glücklich meine ich wirklich glücklich.

Wenn etwas an Dir nagt, wenn Du Sorgen oder Ängste hast, Du alleine damit überfordert bist: hol Dir Hilfe! Mach alles was Dir möglich ist. Schau dem ins Gesicht was Deiner Aufmerksamkeit bedarf. Vermutlich wirst Du dadurch besser schlafen, Dein Leben mehr genießen können – sich Dir neue Möglichkeiten eröffnen. Es gibt viele Gründe warum es gut sein kann Veränderungen zuzulassen, etwas zu lernen, sich auf etwas Neues einzulassen, ganz abgesehen von den Dingen, die einem das Leben schwer bis unerträglich machen. Aber ich behaupte mal ganz frech, dass wir dadurch nicht unbedingt „besser“ werden. Ich glaube im Grunde bleiben wir immer die, die wir sind.

Wenn wir uns verändern dann fühlen wir uns z.B. wohler in unserer Haut und können dadurch freier und leichter auf Andere zugehen, oder wenn wir unsere Grenzen und Bedürfnisse kennen können wir vielleicht aufmerksamer mit unseren Kindern sein…sind wir deshalb bessere Menschen?

Ich höre noch andere, laute ABER Schreie: es muss doch etwas geben auf das ich hinarbeite, etwas wofür ich mich anstrenge, etwas worauf ich mich freuen kann!

Wie wäre es so zu leben, dass ich das was ich tue mit Freude tue, das ich mich anstrenge, weil ich das mag, dass ich arbeite weil es mich erfüllt? Wie wäre es das Leben zu leben, so wie es sich gerade entfaltet? Die Augenblicke und Momente auszukosten, an denen die Sonne scheint, die Kinder lachen, genauso wie die Tränen zu weinen, und den Schmerz zu fühlen?

Und wie schaut das jetzt mit der Annahme aus, dass wir vollkommen sind so wie wir sind? Soll das etwas für ALLE Menschen gelten?

Meine Antwort ist ja. Mit vollkommen meine ich auch nicht den Teil des Menschen, mit dem wir uns üblicherweise identifizieren, die Person, von der wir glauben, dass das „ich“ bin. Damit meine ich jene Essenz, die uns ausmacht, jenseits aller Identitäten, des Egos und der Person. Zu dieser zu gelangen ist oft schwer, zugänglich ist sie uns immer. Mit unserer Essenz in Kontakt zu sein, und aus dieser heraus das menschliche Leben zu gestalten, ist ein Weg der Erkenntnis. Aber ich muss nicht erst ein besserer Mensch werden um dorthin zu gelangen. Was für eine Erleichterung! Was für ein Segen! Es wird noch besser (hihi): je mehr ich erkenne und meiner Essenz näher komme, desto „besser“ wird ES!

Denn in meiner Wahrnehmung ist unsere Essenz mit der universellen, bedingungslosen Liebe verbunden: wer aus ihr heraus lebt kann gar niemandem „Böses antun“ und muss deshalb auch nicht besser werden! ES passiert wie von allein, und wir erkennen : alles ist vollkommen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Kathi sagt:

    Schön, dass hier Platz ist um dir danke zu sagen für diese Gedanken. Ich werde sie weitertragen!

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s